Nach unserem letzten All-Inclusiv-Urlaub auf Lanzarote (Anm.: nicht über runa reisen gebucht) mit unserer Tochter Jolin, 6 Jahre alt, Aicardi-Syndrom, schwer geistig und köperbehindert, kehrten wir frustriert und eher gestresst zurück mit dem traurigen Gefühl im Bauch, dass wir solche Urlaube mit unserer Tochter wohl in Zukunft nicht mehr machen können.Der stressige Transfer mit dem vollen Touristen-Bus, bei dem man mit dem Kind auf dem Arm kaum noch durch die schmale Gasse passte, um den Sitzplatz zu erreichen, die neugierigen Blicke und das Gefühl, dass der "Normalurlauber" mit solchen Menschen ja eigentlich im Urlaub nicht konfrontiert werden möchte, ein unzufriedenes Kind, dem das Wasser im Hotelpool viel zu kalt war, das alles war wohl kein wirklicher Urlaub mehr für uns…obwohl wir so gerne reisen und unser Kind bislang schon in viele Urlaubsorte mitgenommen haben. Irgendwann wird es nicht mehr gehen, so dachten wir, die Bedingungen stimmen einfach nicht und es wird immer schwieriger, je älter das Kind wird…
Es müsste Hotels geben, wo man mehrere behinderte Menschen antrifft, so dass man dann nicht so allein da stünde, es müsste einen Transfer geben, der in kleineren Bussen stattfindet, bei denen man nicht schon beim Einsteigen dem Stress ausgesetzt ist… ein Hotel, in dem es auch einen warmen Pool gibt…
Mit wenig Hoffnung besuchten wir daraufhin die Messe Rehacare in Düsseldorf und fanden dort den Stand von runa reisen. Der Mitarbeiter hat uns gut beraten, Teneriffa sei eine sehr behindertenfreundliche Insel, und das Hotel Mar y Sol sehr beliebt. Dort gebe es auch einen beheizten Pool…
Kurz entschlossen buchten wir dort eine Reise für die Sommerferien für zwei Wochen. Wenn das nicht klappt, dann wäre es wirklich die letzte Flugreise mit unserer Tochter…
Schon am Flughafen wurden wir nett bis zu unserem Abflugsgate begleitet und durften auch als erste ins Flugzeug einsteigen. Auf Teneriffa wurden wir wiederum von einer netten Frau begleitet, unser Reha-Kinderwagen stand schon bereit. Nachdem wir unser Gepäck erhalten hatten, wurden wir von einem Mitarbeiter von runas Agentur vor Ort begrüßt und zum Bus, der uns zum Hotel bringen sollte, begleitet. Tatsächlich hatten wir einen Kleinbus nur für unsere kleine Reisegruppe. Unser Kind konnte im Reha-Buggy im Bus angeschnallt werden. Kein Geschleppe, keine neugierigen Blicke, stattdessen entspanntes Einsteigen und eine ruhige Fahrt zum Hotel. Ja, so etwas hatten wir uns immer gewünscht!
Schon beim ersten Abendessen fühlten wir uns heimisch. An jedem der Tische gab es mindestens eine Person, die behindert war. Keine überfüllten Buffets, stattdessen leckeres Essen in entspannter Atmosphäre. Vielen der Gäste dort wurde das Essen angereicht, da waren wir mit unserer Tochter diesmal keine Ausnahme.
Und so ging es immer weiter. Draußen gab es Liegen unter riesigen Sonnenschirmen. Und die Pools waren wirklich sehr warm. Das tat uns allen gut! Und unsere Tochter hat es sehr genossen. Wir fühlten uns diesmal nicht unangenehm beobachtet, stattdessen kam man mit vielen Gästen ins Gespräch.
Der Weg zum behindertengerechten Strand unten im Ort war zwar recht lang zu laufen, aber wer wollte, konnte auch den kostenlosen Bustransfer wählen. Dort war man in Begleitung eines behinderten Menschen auch keine Seltenheit. Die Strandpromenade war auch komplett barrierefrei. Am Strand gab es einen tollen Service. Mit Wasserfahrzeugen, eine Art von Liege mit riesigen Rädern darunter, wurde man von den Mitarbeitern vom roten Kreuz zum Wasser gefahren und ins Wasser begleitet. So waren auch die nicht-laufenden Menschen in der Lage, im Meer zu baden.
Auch von der Animation im Hotel waren wir sehr angenehm überrascht. Da war für jeden etwas dabei, ob es die morgendliche Wassergymnastik für uns Mütter war oder die Kinderbetreuung mit verschiedenen Spielen am Nachmittag. Sogar ein bisschen Spanisch konnten wir in einigen Unterrichtsstunden draußen auf der Terrasse lernen. Und das alles von einer einzigen Animateurin. Abends gab es auch Tiershows, Bingo, Quiz und Disko… wie in anderen Hotels eben auch, nur dass nicht alles so überfüllt, eher familiär war.
Aber gerade deswegen haben wir uns mit unserem behinderten Kind dort so wohl gefühlt. Man kannte sich eben irgendwann. Das Publikum war vom Alter und Behinderungsbild sehr gemischt. Überwiegend besuchten Erwachsene das Hotel, aber auch einige Kinder waren dabei, so dass auch unser gesunder Sohn schnell Anschluss fand.
Wir sind froh, dass wir dieses Hotel gefunden haben! Schon jetzt freuen wir uns auf den nächsten Sommer, hoffen, dass wir alle soweit gesund bleiben, dass wir wieder dorthin fliegen können!! Das Hotel hat unsere Wünsche erfüllt! Toll, dass es so was gibt!
Ach ja, nebenan gibt es ein Sanitätshaus, von dem man sich auch Hilfsmittel wie Lifter oder Pflegebetten leihen kann! Und auch im Hotel gibt es Pflegekräfte, die man bei gesundheitlichen Problemen um Hilfe bitten kann.
Der einzige Minuspunkt wäre der sehr lange Weg zum behindertengerechten Strand, es fährt zwar ein Bus aber nur einmal morgens zu einer bestimmten Zeit und es können nur ungefähr 6 Menschen mitgenommen werden. Und dass das Hotel auf einer Anhöhe liegt und es ein wenig schwierig ist den Rollstuhlfahrer, wenn man z.B. vom Strand oder aus der Stadt zurückkommt, dort hochzufahren. Schade, dass das Hotel nicht näher zum Strand liegt. Aber diese beiden Punkte hindern uns nicht, gerne wiederzukommen. Es hat uns allen sehr sehr gut gefallen.
Familie G.